Tinongo

Moderner Fünfkampf

Geeignet ab
8 Jahren
Typ der Sportart
LaufsportMehrkampfsportPferdesportPräzisionssportSchießsportVielseitigkeitssport
Einzel- / Mannschaftssport
Einzelsport
Indoor / Outdoor
Outdoor
Kosten pro Jahr von / bis
200,- bis 800,-
Zeitaufwand pro Woche
Zu Beginn 2 bis 5 Stunden pro Woche, steigt an, je älter man wird.
Website des Verbands
http://www.dvmf.de/
Vereinsübersicht
Moderner Fünfkampf Vereine auf Tinongohttp://www.dvmf.de/verband/angebote/hier-finde-ich-meinen-verein

Die Sportart

Echte Vielseitigkeit

Ähnlich wie Triathlon ist der Moderne Fünfkampf ein Vielseitigkeitssport. Allerdings werden hier nicht nur drei, sondern 5 unterschiedliche Disziplinen miteinander kombiniert, die sehr unterschiedliche Anforderungen an die Athleten stellen. Ein weiterer Unterschied ist, dass die einzelnen Wettkämpfe nicht direkt hintereinander, sondern mit Unterbrechungen von ca. 1 Stunde ausgetragen werden.

Beim Modernen Fünfkampf messen sich die Sportler meist zuerst im Schwimmen, anschließend im Fechten (die Reihenfolge gerade dieser beiden Disziplinen kann auch variieren), dann im Reiten und abschließend im „Laser Run“, also im kombinierten Wettkampf Laufen und Schießen, früher „Combined“ genannt. In jedem Wettkampf können Punkte errungen werden, die anschließend in Sekunden umgerechnet werden. Beim Laser Run startet dann der Sportler mit den meisten Punkten zuerst. Der mit den zweitmeisten Punkten als Zweiter und zwar so viele Sekunden später, wie er Punkte weniger hat. Somit ist dann derjenige, der die Ziellinie als erster Überquert, auch der Gesamtsieger.

Beim Laser Run kann das komplette Teilnehmerfeld noch einmal auf den Kopf gestellt werden. Während des Laufens gibt es 4 Schießwettbewerbe, ähnlich wie beim Biathlon. Allerdings mit einem deutlichen Unterschied. Während man beim Biathlon in der Regel fünf Schuss für fünf Zielscheiben hat und jeder Fehlschuss mit Strafrunden oder Zeitstrafen geahndet wird, hat man beim Laser Run für die einzelnen Schießstationen jeweils 50 Sekunden Zeit. In dieser Zeit darf so oft geschossen werden, wie der Sportler möchte. Nach fünf Treffern darf er sofort weiterlaufen. Geschossen wird mit sogenannten Laserpistolen, also nicht mit scharfen Waffen.

Der perfekte Athlet

Bereits in der Antike gab es einen Fünfkampf bei den olympischen Spielen. Dieser setzte sich aus Laufen, Springen, Speerwurf, Diskuswurf und Ringen zusammen. Der Moderne Fünfkampf orientierte sich an diesem „Penthatlon“ und wurde speziell für die olympischen Spiele 1912 in Stockholm entwickelt. Ziel war es, mit 5 sehr unterschiedlichen Disziplinen, die sowohl Ausdauer, als auch Konzentration, Koordination und das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier umfassten, einen Sport für den „perfekten Athleten“ zu erschaffen.

Auch wenn der Moderne Fünfkampf mit sehr interessanten unterschiedlichen Disziplinen punkten kann, tut er sich in der Publikumsgunst relativ schwer. Zwar finden gerade bei den olympischen Spielen sowohl die Schwimm- und Laufwettkämpfe, als auch das Reiten großen Anklang, in der Kombination fehlt jedoch die Unterstützung der breiten Masse. Das hatte leider zur Folge, dass der Moderne Fünfkampf bei den olympischen Spielen immer wieder auf der Kippe stand. Die hohen Aufwände für die Wettkampfstätten stünden nicht im Verhältnis zu dem relativ geringen öffentlichen Interesse. Ein Schicksal, welches Moderner Fünfkampf immer wieder mit anderen sehr interessanten Sportarten teilt. Sowohl Hockey, als auch Ringen standen immer wieder einmal auf der Liste der gefährdeten Sportarten.

Leider zählt beim IOK (Internationales Olympisches Komitee), immer weniger der olympische Grundgedanke „dabei sein ist alles“. Immer mehr steht die reine Kommerzialisierung im Mittelpunkt.

Auch bedingt durch einige Regeländerungen gehört der Moderne Fünfkampf aber mittlerweile zu den olympischen Kernsportarten. Seine Zukunft bei den Olympischen Spielen ist damit also erst einmal gesichert.

Podcast

Im Blog gibt es übrigens einen Podcast mit Annika Schleu. Die 3-fache Europameisterin, 4-fache Weltmeisterin und Vierte bei den Olympischen Spielen in Rio erzählt, wie sie zum Modernen Fünfkampf kam, warum sie eher aus Versehen Leistungssportlerin wurde, was sie an diesem Sport so liebt und was sie Kindern und Eltern mit auf den Weg geben möchte.

Was ist das Ziel?

Am Ende des Tages nach 5 Disziplinen (Schwimmen, Fechten, Reiten, Laser-Run aus Laufen und Schießen) gewinnt der- bzw. diejenige, der/die als Erste(r) über die Ziellinie läuft.

Warum Moderner Fünfkampf?

Der Moderne Fünfkampf besticht vor allem durch die Vielseitigkeit. Es gibt wohl keine Sportart, die von den Athletinnen und Athleten so unterschiedliche Fähigkeiten abverlangt. Jeder Wettkampf ist damit für die Sportlerinnen und Sportler nicht nur ein Messen mit dem Gegner, sondern auch mit den eigenen Grenzen.

Allgemeines

Ab welchem Alter ist es sinnvoll mit Modernem Fünfkampf anzufangen?

In den größeren Landesverbänden wie Berlin, Brandenburg oder Nordrhein-Westfalen können die Kinder im Alter von 8 – 11 Jahren (Mini) anfangen. Allerdings ist auch ein späterer Quereinstieg von einer anderen Sportart möglich.

Wie ist die Verteilung Jungen/Mädchen?

Die Verteilung im Alter bis 18 liegt bei etwa 50% Jungen und 50% Mädchen.

Betreiben Jungen und Mädchen den Sport gemeinsam?

Ja, es ist sogar sinnvoll, zusammen zu trainieren. Bei uns ist es beispielsweise Trainingsalltag, dass es im Fechten gemischte Gruppen gibt. Und unsere Spitzenathletinnen trainieren oftmals mit den Männern zusammen. Bei Weltcups finden übrigens regelmäßig Mixed-Staffeln statt mit Frauen und Männern in einem Team. Möglicherweise wird dieses Format ab 2020 olympisch.

Zeitaufwand

Wie viele Stunden wird der Sport pro Woche etwa in Anspruch nehmen?

Dies kann stark von Leistungslevel und Standort variieren. Eine Trainingseinheit ist meist zwischen 45-90min lang (bei intensiven Fechttrainings auch länger). Im Bereich 8-11 Jahre nimmt Moderner Fünfkampf damit etwa 2 bis 5 Stunden pro Woche in Anspruch. Dies steigert sich dann mit zunehmendem Alter.

Wie oft wird trainiert?

Mini: 2-3 Tage die Woche
U15: 2-5 Tage die Woche
U17/U19: 5-6 Tage die Woche (2-3 Trainingseinheiten pro Tag möglich)
Junioren/Senioren: 6-7 Tage die Woche (ca. 15-25 Trainingseinheiten/Woche)

Wird Moderner Fünfkampf das ganze Jahr betrieben oder gibt es Pausen?

Die Saison läuft von Februar bis September. Ab Oktober startet dann bereits das Aufbautraining für das nächste Jahr. Pausen sind abhängig davon, für welche Wettkämpfe sich der einzelne Athlet qualifiziert und von welchem Alter wir sprechen …

Ab welchem Alter gibt es Wettkämpfe?

Mini, d.h. ca. 10 Jahre (bis zur U17 wird aber bei den Wettkämpfen noch nicht geritten).

Wie viele Wettkämpfe finden in etwa statt?

U15 und Jünger: ca. 2-4 Wettkämpfe im Jahr.
U17 und Älter: ca. 3-8 Wettkämpfe im Jahr.

Wie weit sind die Anfahrten zu Wettkämpfen?

Jugend: Deutschlandweit (Schwerpunkt: Berlin, Potsdam, Bayern, Bonn, ...)
Internationale Jugendwettkämpfe finden vor allem in Osteuropa (Polen, Tschechien, Ungarn) sowie Österreich, Frankreich und der Schweiz statt. Welt- und Europameisterschaften dann natürlich noch einmal mit einem größeren Radius.

Wie sehr kann/muss man sich als Eltern einbringen?

Bei nationalen Wettkämpfen vor Ort gibt es hin und wieder Elterninitiativen für die Lunchpakete oder das Kuchenbuffet. Reisen werden meist über den Landesverband abgedeckt. Bei einer „Randsportart“ wie dem Modernen Fünfkampf ist aber normal, dass sich Eltern und Angehörige auch darüber hinaus engagieren.

Kosten

Wie hoch sind in etwa die Mitgliedsbeiträge?

Die Spanne ist tatsächlich relativ breit und reicht für Kinder von 30€ (zumeist kleine Vereine) bis hin zu 330€. Im Durchschnitt sollte man mit einem zweistelligen Jahresbeitrag rechnen kann.

Welche Ausrüstung muss man selbst besorgen und was kostet diese?

Das hängt vom Verein bzw. Landesverband ab. Die Fechtausrüstung für die jüngeren Athletinnen/Athleten kann ausgeliehen oder günstig von Älteren übernommen werden. Selbst kauft man meist Lauf- und Schwimmsachen. Die Pistole kann teilweise auch ausgeliehen werden. Generell ist der materielle Aufwand bei fünf ganz unterschiedlichen Disziplinen natürlich nicht zu unterschätzen.

Wie oft wird neue Ausrüstung benötigt?

Kommt darauf an, wie sorgsam die Kinder mit den Sachen umgehen. Regelmäßige Investitionen müssen bei Trainingsschwimmbekleidung und Laufschuhen getätigt werden. Fecht- und Reitsachen sind eigentlich recht langlebig (es sei denn, man „wächst heraus“).

Verbreitung

Wie viele Vereine für Modernen Fünfkampf gibt es?

Etwa 170 (davon ein Großteil in Nordrhein-Westfalen, wo viele große Mehrspartenvereine ihre Mitglieder dem dortigen Verband für Modernen Fünfkampf melden).

Gibt es eine Übersicht über alle Vereine?

Eine Übersicht gibt eshier.

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Wie viele Mitglieder gibt es?

Rund 120.000, davon etwa 60% Frauen und 40% Männer.

Karriere

Gibt es eine Nationalmannschaft?

Ja, setzt sich aus den Athletinnen und Athleten der A- und B-Kader zusammen (Weltcup-Mannschaft).

Wie gut ist die Nationalmannschaft?

Gehört zu den besten Teams mit mehr als 15 WM- und EM-Titeln seit 2000. Lena Schöneborn wurde 2008 Olympiasiegerin und ist die erfolgreichste Athletin in der Geschichte ihrer Sportart (zurzeit Weltranglistenerste).

Ist Moderner Fünfkampf olympisch?

Ja (ununterbrochen seit 1912).

Kann man Profi werden?

Klassische Profis wie im Fußball gibt es natürlich nicht. Aber wer international erfolgreich sein will, muss quasi Profi sein. Die meisten werden von der Bundeswehr, teilweise auch von Polizei oder Feuerwehr unterstützt. Sich privat zu finanzieren, ist bei dem materiellen Aufwand im Modernen Fünfkampf natürlich eine große Herausforderung. Die Möglichkeiten für Sponsoring sind bei einer Randsportart naturgemäß schwierig. Größter nationaler Förderer der Sportler/innen ist die Deutsche Sporthilfe.

Manche absolvieren nebenbei ein Studium (z. B. über die Bundeswehr).

Gesundheit

Wie hoch ist das Verletzungsrisiko?

Das größte Risiko hat der Athlet/die Athletin bei einem Sturz vom Pferd oder wenn er/sie beim Laufen umknickt.

Welche Verletzungen sind typisch?

„Typische“ Fünfkampf-Verletzungen gibt es nicht – dann eher die Blessuren, die man aus den jeweiligen Einzelsportarten kennt. Knochenhautentzündungen treten aufgrund der hohen Belastungen immer mal wieder auf.

Gibt es gesundheitliche Spätfolgen?

Sind uns konkret nicht bekannt. Der Moderne Fünfkampf war übrigens über lange Zeit eigentlich klassischer Leistungssport. Erst seit einigen Jahren hat sich über die Formate Laser-Run (Laufen – Schießen), Biathle (Laufen – Schwimmen – Laufen) oder Triathle (Schießen – Schwimmen – Laufen) so etwas wie eine Breitensport-Bewegung entwickelt. Auch wenn es hierzu noch keine Untersuchungen gibt, sehen wir dort ebenfalls keine Ansatzpunkte für gesundheitliche Spätfolgen.